Therapie und Rehabilitation bei Multiple Sklerose (MS): Neueste Forschungsergebnisse und Möglichkeiten
Therapie und Rehabilitation bei Multiple Sklerose (MS): Neueste Forschungsergebnisse und Möglichkeiten
06.11.2024
Die Autoimmunerkrankung Multiple Sklerose – kurz „MS“ genannt – ist eine entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der Nervenzellen und -fasern des Betroffenen angegriffen werden. MS ist eine schwer zu greifende Erkrankung, deren Ursachen bis heute nicht geklärt sind und bei der es bisher auch keine ursächliche Heilung gibt. Symptome und Verlauf sind bei jedem Betroffenen so verschieden, dass es nicht „den“ einen Krankheitsverlauf gibt. Auch ist nicht jede MS-Diagnose gleich schwerwiegend, denn gerade früh erkannt, gibt es gute Chancen auf einen milderen Verlauf.
Aufgrund der individuellen Ausprägung der Krankheit schlagen Therapien bei jedem Patienten anders an. Jüngste Forschungen haben aber ergeben, dass es unterschiedliche Arten von Multiple Sklerose gibt, was es einfacher macht, mit diesem Wissen grundlegende Therapien für die verschiedenen MS-Subtypen zu entwickeln.
Mit Multiple Sklerose leben: Therapien und neueste Erkenntnisse
Eine die Ursachen der Multiplen Sklerose bekämpfende Therapie gibt es, wie bereits gesagt, derzeit nicht. Das bedeutet, dass es nach einer gesicherten Diagnosestellung bei allen Behandlungen und Therapien darum geht, das Ausmaß der Erkrankung und die Entzündungsreaktion so gering wie möglich zu halten, begleitende Symptome zu lindern und zu verhindern, dass der Betroffene (weitere) funktionelle Einschränkungen erleidet. Dabei werden grundsätzlich meist zwei Ansätze verfolgt. Zum einen die Schubtherapie: MS verläuft in Wellen oder Schüben. Das heißt, mal geht es dem an Multipler Sklerose Erkranktem gut und er ist so gut wie symptomfrei, dann wieder folgt ein Krankheitsschub mit Einschränkungen in der Motorik, bei der je nach betroffenen Nervenbahnen verschiedenste funktionelle Störungen auftreten können. Meist wird bei einem Krankheitsschub hoch dosiertes Cortison als Entzündungshemmer eingesetzt. Zum anderen gibt es das Vorgehen der immunprophylaktischen Therapie, bei der es im Wesentlichen darauf ankommt, den Schüben vorzubeugen.
Bildtext: Bei einer Multiplen Sklerose werden u. a. Nervenzellen durch Entzündungsprozesse geschädigt. Bildquelle: ColiN00B, pixabay.com
Zudem stellt die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (dmsg) die folgenden drei Behandlungssäulen vor, die den oben genannten Ansätzen ergänzend entsprechen:
- Therapie des akuten Schubs
- Rehabilitationsverfahren
- Funktionstraining
Je nach individueller Ausprägung und Therapie (z. B. bei akutem Schub) kann die Behandlung sehr unterschiedlich ausfallen. Neueste Forschungsergebnisse der eingangs erwähnten MS-Studie des internationalen Forschungsteams unter der Leitung der Universität Münster bestätigen dies. Die Ergebnisse der besagen, dass es ganz offenbar auf Zell-Ebene unterschiedliche Subtypen der Erkrankung gibt, die oftmals auch mit spezifischen Symptomen einhergehen. In der Folge ergeben sich daraus entsprechend auch diverse grundsätzliche Behandlungsstrategien, die dann je nach individuellem Verlauf schneller weiterentwickelt werden können.
Alternative Behandlungen und komplementäre Therapien bei Multipler Sklerose
Da Multiple Sklerose eine noch nicht vollständig erforschte und aktuell auch nicht ursächlich heilbare Erkrankung ist, wird weiterhin daran geforscht, ob es alternative Behandlungsmethoden und komplementäre Therapieansätze gibt, die Betroffenen zusätzlich helfen könnten. Bei diesen Ansätzen geht es darum, die Symptomatik zu lindern und dem an Multipler Sklerose Erkrankten eine subjektive Verbesserung seiner Lebensumstände zu ermöglichen. Diese Behandlungsmethoden sind wissenschaftlich noch nicht bewiesen und erst in Teilen untersucht worden, jedoch scheinen beispielsweise die folgenden Methoden und Alternativbehandlungen bei einigen Erkrankten zu einer Schmerzreduktion oder -linderung zu führen:
- Akupunktur und Akupressur
- Cranio-Sacrale-Therapie
- Vitamin-D-Gabe
Einen recht hohen Stellenwert nehmen Entspannungsmethoden wie Meditation und Imagination ein: Sie haben zum Ziel, dass sich der Patient in seinem körperlichen und seelischen Wohlbefinden steigert und es somit zu einer subjektiven Verbesserung der Lebensqualität kommt. Dazu gehören Behandlungsansätze wie Atemtherapie, autogenes Training, Eutonie, Feldenkrais oder Progressive Muskelentspannung. Auch sanfte Bewegungsformen wie Yoga, Qigong oder Tai Chi, die allesamt auch meditative Elemente beinhalten, können wohltuend für MS-Erkrankte sein. Eine ausgewogene (entzündungshemmende) Ernährung kann ebenfalls die MS-Symptomatik positiv beeinflussen. Um eine passende Ernährung zu finden, sollten Betroffene im besten Falle mit einem sachkundigen Ernährungsmediziner einen neuen Ernährungsplan erarbeiten und die Blutwerte regelmäßig kontrollieren lassen, um Mangelzustände zu vermeiden.
Auch wenn Multiple Sklerose immer noch als nicht heilbare Krankheit gilt, so sind doch zahlreiche Forschungsteams weiterhin den Mysterien dieser Krankheit und möglichen, erfolgversprechenden Behandlungsmethoden auf der Spur. So ist MS immer besser behandelbar. Die Kombination aus klassischer Basistherapie und symptomatischer Therapie wird von vielen Patienten ergänzt durch eine Reihe von komplementären und alternativen Therapien. All diese Ansätze haben zum Ziel, dem Multiple Sklerose Erkrankten eine Erleichterung der Symptomatik zu erwirken, das eigene Wohlbefinden zu steigern und damit zu einer erhöhten Lebensqualität beizutragen.